Delmenhorster Kreisblatt vom 17.06.06
Marius kann Streit nicht ausstehen
Streitschlichter tauschen sich aus
Schüler prügeln und mobben sich. Das soll sich ändern. Deshalb trafen sich jugendliche
Streitschlichter zu einem Erfahrungsaustausch
Oldenburg (ZB). „Streit kann ich nicht leiden“, sagt Marius Richter von der Realschule an
der Holbeinstraße in Delmenhorst. Deshalb hat sich der 14-Jährige zum Streitschlichter
ausbilden lassen. In Oldenburg nahm er jetzt an einem Forum für Schülerstreitschlichter teil,
das vom Netzwerk Oldenburger Schulmediatorinnen und Schulmediatoren (NOSS)
veranstaltet wurde und landesweit einmalig ist.
Rund 220 Streitschlichter aus der Region beteiligten sich an Workshops und tauschten ihre
Erfahrungen aus. „Ich finde das interessant, sich mit Streitschlichtern von anderen Schulen zu
unterhalten. Es gibt ein paar interessante Dinge, die wir jetzt auch an unserer Schule machen
wollen“, sagt Marius. Damit die Schüler an der Holbeinstraße demnächst wissen, wer von den
Mitschülern Streitschlichter ist, sollen sie bekannt gemacht werden. „An anderen Schulen gibt
es Fotos von den Streitschlichtern. Außerdem haben die einen eigenen Raum. Das finde ich
super“, sagt Marius.
Das NOSS hat die Arbeit der Streitschlichter wissenschaftlich untersuchen lassen.
„Tatsächlich wirkt sich ihr Einsatz spürbar aus“, berichtet Prof. Dr. Wolfgang Fichten von der
Uni Oldenburg. Er fand heraus, dass die Arbeit der Schlichter nicht nur in der Schule wirkt,
sondern auch im Verein und unter Freunden. „Wir lernen ja, uns einzumischen“, sagt
Marius. „Dazu müssen wir frei sprechen können, Ruhe bewahren und objektiv sein. Wir
möchten ja schlichten und die beiden Seiten nicht aufmischen. Bei größeren Streitereien
arbeiten wir auch Friedensverträge aus, an die sich bislang alle Schüler gehalten haben.“
NOSS bildet Lehrkräfte zu Schlichtern aus, die wiederum in ihren Schulen Schüler ausbilden.
Anna-Katharina Schommer aus Oldenburg ist seit zwei Jahren dabei und spürt, dass die
Streitereien an ihrer Schule erheblich nachlassen. „Die Schüler wissen, dass es uns gibt und
wir nicht weggucken. Wir wollen auch nicht Schuld zuweisen, sondern Konflikte lösen. Am
Ende sollen alle gewinnen.“
Genau das kommt bei den Schülern an. „Sie wollen die Dinge eigenverantwortlich in die
Hand nehmen," beobachtet Wilm Renneberg vom NOSS. Viel Lob gab es auch von Hans-
Jürgen Thurau, Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, der die Streitschlichter unterstützt.
„Dieses Forum ist bislang einmalig. Es trägt maßgeblich dazu bei, dass Jugendliche frühzeitig
Instrumente an die Hand bekommen, ihre Konflikte sachlich zu lösen. Es ist die beste
Prävention“.
Weitere Infos unter (0441) 7983036 oder unter www.ofz.de.

Marius Richter
Anmerkung der RSH: Es haben insgesamt 9 Schüler und Schülerinnen unserer Schule an dieser Veranstaltung in
Oldenburg teilgenommen.