©: Delmenhorster Kreisblatt
Ein Tiefdruckgebiet über Schleswig-Holstein ist Auslöser für eine weitere große Naturkatastrophe in Norddeutschland. Die eng beieinander liegenden Isobaren (die um den Buchstaben T kreisförmig herumgezeichneten Linien gleichen Luftdrucks werden Isobaren genannt) deuten auf einen gerade über Norddeutschland sehr krassen Luftdruckunterschied hin. Die Folge: Orkan.
Der gemessene Luftdruck von 959,5 Millibar ist seit 100 Jahren nicht vorgekommen. Die Windgeschwindigkeit steigert sich in Spitzenböen auf 83 Knoten. Das sind 154 km/h, gleichbedeutend mit Windstärke 14.
Der Orkan fordert in Niedersachsen 23 Tote und Hunderte von Verletzten.
Auch in Delmenhorst wird Katastrophenalarm gegeben. Innerhalb kurzer Zeit gehen in der Katastropheneinsatzzentrale im Rathaus 157 Hilferufe ein. Es ist unmöglich, überall zu helfen. Die Katastrophenschutzkräfte können nur dort eingesetzt werden, wo unmittelbare Gefahren drohen. Die Feuerwehren müssen mit den Drehleitern ausrücken, um beschädigte Dächer zu sichern, damit niemand von herabfallenden Dachteilen verletzt wird. Die Bundeswehr beseitigt mit ihren Bergefahrzeugen Baumriesen, die auf Wohnhäuser, Trafo-Stationen und Tankstellen gestürzt sind oder die Straßen versperren. Das THW hilft, die Dächer der Krankenhäuser und eines Arzneimittellagers notdürftig zu reparieren. In einigen Stadtteilen ist die Stromzufuhr unterbrochen. Die Schulleiter werden aufgefordert, die Schulkinder bis zum Ende des Sturmes in den Schulen zu behalten, damit sie auf dem Heimweg nicht akut gefährdet sind.
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Herabgewehte Dächer beschädigen geparkte Autos.
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Riesige Waldflächen fallen dem Orkan zum Opfer.
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60 Jahre alte Eichen werden entwurzelt und fallen auf ein Bauernhaus in Delmenhorst - Annen.
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840 PS ( = 618 KW ) gegen Sturmschäden. Er braucht allerdings 200 Liter Dieselkraftstoff pro Stunde.
Else Oekermann berichtet in plattdeutscher Sprache über die Katastrophe:
Tan' Stina un de Orkan
13. November 1972, morgens Klock halwig acht, dor brust un gillt de Storm owert Holt, he tuselt de Kronen von de hogen Fuhren, he takelt se hen un her. - Mit Macht gaht de gegenan, se strüwt sick, willt nich lichfahrig dat Flag to Pries gäwen, dat siet 70 - 80 Jahren ähr Eegen is, abers, denn - een Knirrschen, een Krachen, een Anken un Stöhnen - , de Kron is rutbroken, rutdreiht. Hest kum begräpen, schon knackt de nächste Boom boben af - un de Kron sailt weg. - De Orkan hett ähr to faat, makt sick owerher, at wenn son gewaltige Boomkron nix weer, weiht mit ähr af. - Un du steihst dabie un luerst angsthaftig, wohen flugt dat? Dropt dat us Hus, fragt man sick mit Grusen. - Abers, de Orkan kriegt nu erßen de Owermacht, he kann nu bäter an de dicken Stämme ran, ok de kämpft gegen an, abers - he schuppst mit son Gewalt, dat se tweibräken dot at Striekhölter, dahlkracht un anner Bööm mit sick rieten dot, un von de 25 - 30 Meter hogen, de een Dörmeter von 60 - 70 cm hefft, steiht dat Wuddelwark bet ower twee Meter hoch.
Un de Hewen betrock sick jümmer mehr, so duster un unheemlig! Man ronnt von een Finster nah dat anner, kickt ut nah West, Nord un Süd, sist altieds mehr Bööm fallen, een grugelhaftig Bild, de barsten, kahlen Boomstumpen kiekt di an, at wenn se di um Hülp anroopt, albers, - immer mehr Boomkronen fallt dichter an't Hus ran. Noch is stickter Westwind! Dreiht he sick wat mehr nah Süd, fallt alens up us Dack. Altieds noch hült de Storm schrill, dat gillt un Bööm kracht bie us rund um. Nu ligt al een hoger, gröner WAld von broken Kronen dicht um us Hus. Abers - ut een Döern kanns noch rut. De groote Lichtmast steiht scheew. (Licht un Telefon weer al lang weg!) Use olen wunnerbaren Wachholder legt up Siet! Of de woll dat Uprichter owerstaht? Dor kracht noch een tweentig Meter hoge Fuhren, un een dicken Eekboom stort nah! Gefährlich is't noch buten, sünd noch soväl Bööm, de scheew staht un schwankt. Obstbööm, de heft ok wat afkrägen!! Eeen Schuppen ist total twei, ganz weg. Umt Immenhus legt twee groote Kronen, de hett mien Mann bie lütjen afsagt, nen poor lütje Lööker up't Dack, dat gung noch klack af. Schlimmer weert in us Warkstäe, wo ok de Wagen insteiht. Veer dickte Stämm druckten dat Dack dahl, up de een Siete is't noch kaputt.
Dat Koppholt kreeg mien Mann af, bie dat Afrümen vo de Stämm hulpen us de Nabbers ok schleppten se mit'n Trecker de dicken Bööm von Hus weg, so bie Siet, dat wi ne Utfahrt krägen. Eeen hoge Fuhren, de noch laat duchtig Schlagsieten krägen har un drauhte um Husdack to fallen, makt de Gannerseer Füerwehr um. Sogar de Demoster Gillemeister Herm Muller, wull de Gille mobil maken, um to helpen. Wi beiden 84- und ick 81jährigen Lüe weet nau, wat goode Nahbers weert sünd. Man kiekt wie nu ut't Finster, owerkumt een dat Grugeln. Zerstört - 40 Hektar olen Boombestand - Buernwald, Mischwald - kennst fast elkeen Boom, elkeen Boomgruppen - alens weg - een Orkan bruste owerhen!
(aus: Beilage zum Delmenhorster Kreisblatt "Von Hus un Heimat")
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